Pädagogisches Konzept der "Waldschule Klövensteen"

Nachhaltigkeit im Wald

Das Themenfeld „Wald“ ist im Nachhaltigkeitsdiskurs von besonderer Bedeutung, denn der Begriff Nachhaltigkeit entstammt ursprünglich der deutschen Fortwirtschaft: Angesichts der Holzknappheit nach der Entwaldung riesiger Flächen Deutschlands forderte HANS CARL VON CARLOWITZ 1713 in seinem Werk "Sylvicultura oeconomica", dass nur so viele Bäume geschlagen werden, wie im gleichen Zeitraum nachwachsen können (H. C. v. Carlowitz, 1713). Auch heute noch hält die Wichtigkeit des Waldbaus für das Nachhaltigkeitskonzept an, denn er repräsentiert nach der neuen Definition alle Kernthemen einer nachhaltigen Entwicklung. Der Rat für nachhaltige Entwicklung stellt fest,  „…Auf Grund einer im Grundsatz günstigen Ökobilanz und ihrer wirtschaftlichen Bedeutung ist die Wald- und Holzwirtschaft hervorragend geeignet, das Leitbild der Nachhaltigkeitsstrategie anschaulich greifbar zu machen.“ (RAT FÜR NACHHALTIGE ENTWICKLUNG, 2008: 2)

Das Leitbild der nachhaltigen Waldwirtschaft versucht dabei nicht nur einen dauerhaften Holzertrag zu sichern, sondern auch vielfältigen ökologischen, sozialen und kulturellen Funktionen gerecht zu werden.

 

Eine Analyse nach ökologischen, ökonomischen, sozialen und kulturellen Bereichen des Handlungsfeldes Wald (BOLSCHO/MICHELSEN, 2002) führt zu folgenden Kernthemen für Bildungsprozesse:

 

Ökologische Dimension: 

  • Globaler Kohlenstoffhaushalt
  • Biodiversität 
  • Klima 
  • Wasserhaushalt 
  • Bodenschutz

Ökonomische Dimension:

  • Nachwachsender Rohstoff Holz
  • Regionale Wirtschaftsbeziehung in der Wald-Holz-Kette
  • Internationaler Handel

Soziale Dimension:

  • Wald als Lebens- und Freizeitraum
  • Arbeitsplätze in der Waldwirtschaft
  • Konflikte in der Waldnutzung
  • Eigentums- und Nutzungsrechte indigener Bevölkerung

Kulturelle Dimension:

  • Waldbilder in den Köpfen
  • Wald und Bäume als Bestandteil regionaler Identität
  • Holz als Grundlage der Kunst
  • Wald in der Kunst

Diese Ausarbeitungen und Überlegungen bilden die inhaltliche Grundlage für das methodisch entstandene Bildungsangebot.

 

Pädagogische Methoden

Das pädagogische Konzept der Waldschule richtet sich hauptsächlich auf Bildung für nachhaltige Entwicklung aus, welche durch Methoden der Interaktionspädagogik oder der Naturpädagogik nach KALFF bzw. CORNELL ergänzt werden. Mit Hilfe naturpädagogischer Methoden von KALFF und CORNELL wird Wissen über die Natur mit positiven, ganzheitlichen Naturerfahrungen durch sinnliche, meditative, ästhetische und spielerische Erlebnisse verbunden (KALFF, 2001). Diese Annäherung an die Natur ermöglicht den oft naturfernen Stadtkindern eine emotional positive Naturbeziehung zu entwickeln. Indem die Schüler den Wald in den verschiedenen Facetten der Jahreszeiten und nicht nur in Schönwetterlagen kennenlernen, machen sie gleichzeitig authentische Naturerfahrungen.

Diese Naturverbindung bildet die Grundlage für Interesse an der Natur. Darauf aufbauend werden Spiele aus dem Feld der Interaktionspädagogik herangezogen, welche wesentliche Elemente der Realität isoliert und mit künstlichen Spielregeln versehen in einen Kontext setzt (REINERS, 1993). Nachhaltigkeitsstrategien oder komplexe Verbindungen im Ökosystem können so einfach dargestellt werden.

Um die Kinder an einen verantwortungsvollen, nachhaltigen Umgang mit der Umwelt heranzuführen, wird ab der Sekundarstufe I an Beispielen behandelt, was Nachhaltigkeit bedeutet. Vor allem bei den Themen „Wald und Ökologie“, „Prima Klima“, „Prinzip Nachhaltigkeit“ und „Jagd nach Biofleisch“ wird nachhaltiges Denken und Handeln gezielt gefördert.

Auf diese Weise unterstützt die Waldschule die Schüler beim Erwerb von Gestaltungskompetenz im Sinne von Bildung für nachhaltige Entwicklung: Mit dem Wissen über die Bedeutung von Nachhaltigkeit prüfen die Schüler beispielsweise, ob die Methoden der Wald-  oder Gewässer-Bewirtschaftung oder ihre Lebensweise nachhaltig sind. Anschließend überlegen sie, welche Kriterien eine nachhaltige Wald- und Gewässernutzung erfüllen müssen und was sie tun können, um ihren Lebensstil nachhaltiger zu gestalten.

Wie die einzelnen Kompetenzen, welche die Schüler für die aktive Gestaltung einer nachhaltigen Gesellschaft benötigen, durch das Waldschulprogramm gefördert werden, stellt folgende Tabelle aufgegliedert nach den Themen für Schulklassenveranstaltungen dar.

 

Tab. Förderung der Teilkompetenzen von Gestaltungskompetenz durch die Waldschulveranstaltungen

[1] Abkürzungen: SEK I…Sekundarstufe I; SEK II…Sekundarstufe II

 

 

Literaturverzeichnis

*… Spiele aus folgender Quelle

Baeyrisches Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, BAYERISCHE FORSTVERWALTUNG (Hrsg.): Forstliche Bildungsarbeit. Waldpädagogischer Leitfaden nicht nur für Förster, Wolnzach, Kastner AG, 20097.

 

BNE-Portal. Bildung für nachhaltige Entwicklung. Das Konzept der Gestaltungskompetenz. Online im WWW unter URL: http://www.bne-portal.de/coremedia/generator/unesco/de/02__UN-Dekade_20BNE/01__Was_20ist_20BNE/Gestaltungskompetenz.html [Stand 15.2.2012]

 

BOLSCHO, D.; MICHELSEN, G. (Hrsg.): Umweltbewusstsein unter dem Leitbild Nachhaltige Entwicklung. Ergebnisse empirischer Untersuchungen und pädagogische Konsequenzen. Opladen, 2002.

 

Hans Carl von Carlowitz, 1713, Online im WWW unter URL: http://www.nachhaltigkeit.info/artikel/hans_carl_von_carlowitz_1713_1393.htm [16.2.2012]

 

JOPPICH, A./FRAGEL, J./COSMICOS. Globales Lernen in der Freizeit (Hrsg.): Geländespiel „Klimasiedler“ (Klimagerechtigkeit). Online im WWW unter URL: http://www.globalisierung-freizeit.de/index.php?option=com_docman&task=cat_view&gid=73&dir=DESC&order=name&Itemid=85&limit=10&limitstart=0 [Stand: 15.2.2012]

 

KALFF, M.: Handbuch zur Natur- und Umweltpädagogik: Theoretische Grundlegung und praktische Anleitungen für ein tieferes Mitweltverständnis, Tuningen, Ulmer,20013.

 

REINERS, A.: Praktische Erlebnispädagogik. Neue Sammlung motivierender Interaktionsspiele, Fachhochschule München, 1993³.

 

RAT FÜR NACHHALTIGE ENTWICKLUNG beim Wissenschaftszentrum Berlin gGmbH (Hrsg.): Waldwirtschaft als Modell für nachhaltige Entwicklung: ein neuer Schwerpunkt für die nationale Nachhaltigkeitsstrategie. Empfehlungen des Rates für Nachhaltige Entwicklung an die Bundesregierung, Böningen, Kettler GmbH, 2008².

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